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Die Moppedwerkstatt

Um was geht es?

Hier findet Ihr in loser Folge aktuelles, belangloses oder interessantes zur Moppedwerkstatt.

SR 500

Meine Moppeds Posted on Tue, December 13, 2016 11:56:59

Nach der neulich
beschriebenen RD 200 ging es dann eine Stufe weiter. Über die
berühmten sechs Ecken habe ich erfahren, das ein Bekannter eines
Bekannten eine SR 500 in der Garage stehen hat, die er nicht mehr
haben will. Hat dann ein wenig gedauert, bis wir einen Termin zur
Besichtigung ausgemacht hatten. Man kann sich das ja heute gar nicht
mehr vorstellen, aber das war noch zu Zeiten, in denen es keinen
Mobilfunk gab. Mehr noch, es gab noch Telefone mit Wählscheiben. Und
falls Anrufbeantworter damals überhaupt schon erfunden waren kannte
ich zumindest niemanden, der einen hatte. Du konntest andere Menschen
also tatsächlich nur erreichen, wenn sie auch zuhause waren.
Manchmal fällt mir ein, das diese Zustände ja auch noch nicht
fünfzig Jahre her sind…

Wie dem auch sei,
eines Tages stand ich dann in einer Garage in der Gartenstraße. Vor
mir eine SR 500 mit wenig Kilometer, dafür aber individueller
Lackgestaltung. Zu der Zeit waren züngelnde Flammen auf dem Tank
allerdings auch schon nicht mehr wirklich modern 🙂

Ich weiß gar nicht
mehr was ich bezahlt habe, ich glaube so etwa 1800 D-Mark. Die ersten
Aktionen waren dann: andere Lackierung und den original Lenker gegen
einen M-Lenker getauscht. Später kamen dann noch eine Nockenwelle
von Wiseco dazu, der offene Ansaugstutzen war natürlich sowieso
verbaut. Mit der Wiseco Nocke ging das Mopped gleich ganz anders oben
rum. In besten Zeiten hatte ich öfter mal 165 Stundenkilometer auf
dem Tacho stehen. Im Nachhinein weiß ich natürlich, das das genauso
optimistisch war wie die Aussage, das der Motor mit der Nockenwelle
42 PS hätte. Aber manche Lügen glaubt man eben gerne…

Irgendwann war mir
der M-Lenker nicht mehr sportlich genug. Ein Stummellenker musste
her, und natürlich Ochsenaugenblinker. So ausgestattet ging es dann
auf eine Reise von etwa 12.000 Kilometer in die Türkei und zurück.
Ich glaube, da hatte ich auch schon die zweite Bremsscheibe vorne
verbaut, dank der XS 400 aus gleichem Hause war das kein Problem.
Habe ich natürlich nicht eintragen lassen, hat der TÜV auch nie
gemerkt.

Mit der SR habe ich
insgesamt gute 100.000 Kilometer in drei Jahren abgerissen. Damals
hatte ich noch Zeit zum Fahren… Am Schluss war ein Kolben mit dem
dritten Übermaß drin, weil bei der Kilometerleistung in dem
Zeitraum an Motorschonung natürlich nicht zu denken war 🙂

Die zweite
Bremsscheibe vorne war übrigens eine absolute Verbesserung. Ich bin
ja ohnehin kein Hinten-Bremser, aber beim ersten Reifenwechsel nach
dem Bremsen-Upgrade hatte ich ungelogen Flugrost in der Bremstrommel
hinten. Die war schlicht unnötig geworden.

Eben fällt mir ein,
die zweite Scheibe war doch noch nicht verbaut, als ich zum ersten
mal in die Türkei bin. Da hatte ich nämlich zwei interessante
Erfahrungen: zum Ersten hat mein selbst gefertigter Anbausatz für
meine Kofferhalter nach und nach die Stoßdämpfer hinten
durchgescheuert. Irgendwo bei Skopje sagte der erste Dämpfer „pfft“
und hat sein Öl auf die Straße entleert. Und wer meint, mit EINEM
defekten Dämpfer (bzw, nur noch Federung. Öl war ja keines mehr
drin) fährt es sich schlecht, der hätte erleben sollen wie eine
Woche später der zweite Dämpfer beschlossen hat, den ersten zu
imitieren.

So, und wer jetzt
glaubt ohne Dämpfung hinten, dafür vollbeladen, ist der Spaß beim
Fahren überschaubar: geht noch besser. Bei der Anfahrt auf
Thessaloniki, mit dem ersten Blick auf das Meer, wollte ich anhalten
und habe zu diesem Zweck die Bremse hinten betätigt (weil ich sie
überhaupt benutzen wollte weiß ich , das es vorne nur eine Scheibe
gegeben haben muss). Dummerweise hatte ich die Sicherungsschraube der
Bremsankerstange verloren. Ergebnis: die Trommel wird nicht
festgehalten, sondern dreht sich im Moment des Bremsvorganges
fröhlich mit dem Rad mit und reißt dabei das Bremsgestänge ab.

Ich kann Euch sagen,
SR 500 mit ohne Bremse hinten, dafür keine Dämpfung am Heck und mit
zwei Menschen und Gepäck beladen auf den Straßen von Griechenland
und der Türkei in den 80ern… da lernt man Fahrzeugbeherrschung.

Da habe ich auch
gelernt, das es dumm ist ein Motorrad beladen auf dem Seitenständer
im Sandboden bei Gefälle abzustellen. Aber der örtliche Mechaniker
hat dann aus einem Mofabremshebel einen Kupplungshebel für mich
gedrechselt.

Irgendwann wollte
ich was schnelleres als die SR. Allerdings hatte ich damals schon so
eine Ahnung, das ich einen Verkauf des treuen Moppeds später bereuen
würde und habe sie als Backup behalten. Leider zerlegt, und die
meisten Teile sind heute irgendwo….

Wenn mir einfällt,
ob danach das kurze Honda Intermezzo mit der CB 500 Four kam, oder
doch die erste XS 750, dann geht es hier mit den Moppeds meines
Lebens weiter 🙂



RD 200

Meine Moppeds Posted on Thu, November 10, 2016 14:19:13

Dann
will ich mal mit dem ersten „richtigen“ Motorrad in meiner
Sammlung anfangen: Yamaha RD 200.

Ihr
werdet noch sehen, das ich ein gewisses Faible für die Marke mit den
Stimmgabeln habe 🙂

Die
RD 200 hatte die Wahnsinnsleistung von 17 PS, offiziell. Natürlich
war die Drossel draußen, und das Teil hatte 21 PS, wenn ich mich
recht erinnere. Eine Besonderheit der RD war die Kurbelwelle. Wir
reden ja hier von einem Zweizylinder-Zweitaktmotor. Die Kurbelwelle
war nicht aus einem Stück, sondern bestand praktisch aus zwei
einzelnen, in der Mitte mittels einer Vielzahnverbindung
zusammengesteckten Wellen. Meine RD hieß im Bekanntenkreis „das
Kieswerk“, weil diese Verzahnung ein wenig ausgeschlagen war und
entsprechende Geräusche von sich gab.

War
mir alles egal, ich hatte ein Motorrad.

Eines
Tages saß die ganze Clique in der Pizzeria und hat den Sommerurlaub
besprochen. Das Ergebnis war jedenfalls, das meine damalige Freundin
und ich mit der RD 200 quer durch Österreich und Jugoslawien nach
Thassos gefahren sind. Unterwegs habe ich gelernt, das sich auch
Hauptdüsen im Vergaser losvibrieren können. Einer von mehreren
Stopps auf der Tour. Auf Thassos selber hat sich die Kupplung
verabschiedet und ich bin aufs Festland (per Anhalter, auch eine
Geschichte für sich) Teile besorgen.
In dem Urlaub habe ich
übrigens auch gelernt, das so ein Sturzhelm durchaus sinnvoll ist.
Irgendwo auf Thassos gibt es eine lange Gerade, leicht abschüssig.
Ich war natürlich ohne Helm unterwegs, damals ging das in
Griechenland noch. Ungefähr im gleichen Moment, als der Tacho zum
ersten mal die 120 Km/h-Markierung überschritten hat, ist irgendein
großes Insekt auf meiner Stirn zerschellt. So etwas tut sauweh…

Die
Kupplung hat dann genau bis zwischen Katschberg- und Tauerntunnel
gehalten. Wir durften bei der Autobahnmeisterei übernachten und
einen Blick in die Zentrale werfen. Beeindruckend, jeder Meter in den
Tunnels ist kameraüberwacht. Wir sind dann per Autostopp und Bahn
heim, auch das eine Geschichte für sich. Drei Wochen später kam das
Mopped mit dem ADAC hinterher.

Ich
habe dann die Kupplung repariert und bei der Gelegenheit auch gleich
das Rasseln minimiert: Motor zerlegt, Kurbelwelle getrennt, aus einem
Stück Stahl mit Hilfe einer Feile einen Haufen Feilspäne gemacht,
das dann mit Metallkleber vermengt und damit dann die Verzahnung
verklebt. Hat eine ganze Weile gehalten… Wie sagt meine Mutter immer: “Man kann ruhig doof sein, man muss sich nur zu helfen wissen.” 🙂

Irgendwann
habe ich die RD dann verkauft, ich hatte nämlich eine SR 500 in
Aussicht. Von der erzähle ich demnächst mal…



Die Anfänge

Meine Moppeds Posted on Tue, October 18, 2016 16:52:10

Neulich habe ich bei
einem Kunden eines meiner Lieblingsmotorräder abgeholt: eine Yamaha
XS 750. Hatte ich auch mal. Und während ich das Teil auf dem Hänger verzurrt habe zogen
vor meinem geistigen Auge die Moppeds vorbei, die schon in meinem
Besitz waren. Ich könnte die mal in lockerer Folge hier vorstellen,
dachte ich mir.

Das allererste
motorisierte Fahrzeug war natürlich ein Mofa. Genauer gesagt, eine
Batavus GoGo. An meinem fünfzehnten Geburtstag klingelte es an der
Tür, und mein Nachbar Achim stand da. Er gratulierte mir zum
Geburtstag und erklärte mir, das er sein Mofa nicht mehr bräuchte,
ich aber sicher Verwendung hätte und das er mir das Teil schenken
würde.

Ich war der König!

Im folgenden Jahr
habe ich glaube ich nichts anderes gemacht, als auf dem Ding zu
sitzen und mir vorzukommen wie Peter Fonda (den ich damals noch gar
nicht kannte…).

Am sechzehnten
Geburtstag hatte ich dann den Führerschein Klasse 5 in der Tasche.
Für den vierer, mit dem ich Mopeds mit richtigem Kennzeichen hätte
fahren dürfen, reichte die Kohle nicht. Abgesehen davon waren die
Teile in der Versicherung dermaßen teuer, das da ohnehin nicht dran
zu denken war.

Mein zweites
Fahrzeug war dann eine Vespa 50N, so ein Blechroller mit
Handschaltung und vier Gängen. Ja, genau… eines von den Dingern,
die ich heute lieber nicht mehr auf der Hebebühne sehe 🙂

Meiner war toll.
Anderer Krümmer dran, und der Tacho blieb erst bei 65 Km/h stehen.
Und zwar auch mit zwei Personen. Und bei 50 Km/h mit zwei Personen,
während ich einen anderen 50 N (ebenfalls mit zwei Personen
besetzt!) gezogen habe.

Im ersten Sommer
habe ich den Roller in Recklinghausen in die Bahn verladen und war
damit in Kärnten im Urlaub. Bei der Gelegenheit habe ich einen
persönlichen Rekord aufgestellt: weil wir alle faule Säcke waren,
sind wir mit fünf (!!) Leuten auf dem Roller die zwei Kilometer vom
Zeltplatz zum See gefahren statt zu laufen 🙂

Dummerweise habe ich
den Roller verkauft. An eine Bekannte, die ihn innerhalb weniger
Wochen hingerichtet hat 🙁

Ich habe das
Schmuckstück nur verkauft, weil ein Kollege eine Kreidler RMC
Elektronik verkauft hat. Auch viergang, aber (klar) Fußschaltung.
Die Kreidler wollte ich nur haben, weil ein weiterer Kollege einen
Klasse vier Motor mit 6,25 PS dafür im Keller liegen hatte, den er
aufbewahren wollte bis ich genug Kohle für die Kreidler hätte.
Passte nämlich natürlich da rein… zwar illegal, aber dafür
schnell.

Ich also das Geld
gespart, Vespa ver- und Kreidler gekauft, den Kollegen angerufen
„Arno, ich habe die RMC. Wann kann ich den Motor holen?“ und fast
tot umgefallen als Arno mir erklärte, das der Motor weg ist.

Ich habe mich dann
noch etwa ein Jahr mit dem Kreidlerhaufen rumgeärgert, bis er kurz
vor der Führerscheinprüfung der Klassen 1+3 während eines
zwanzigminütigen Besuches bei einer Bekannten in einer Marler
Hochhaussiedlung geklaut wurde. Bis dahin hatte ich mehrfach den
Motor offen. Seitdem weiß ich, wie ein Kolben aussieht in dem die
Nadeln vom Kurbelwellenlager stecken, die durch die Überströmer
ihren Weg gefunden haben.

Ich musste dann,
weil die Führerscheinprüfung bevor stand und es albern gewesen wäre
noch ein Mokick zu kaufen, im Winter mit dem Fahrrad zur Arbeit
fahren. Das war kein Spaß…

Aber im April hatte
ich dann den Einser, und bald darauf mein erstes „richtiges“
Motorrad: eine Yamaha RD200. Aber davon demnächst mehr….